2025 – Buchloe – Verona (5/491/6’523)

Es war keine einfache Routenplanung, wir sind rund um die Schweiz schon viel abgefahren und die jeweils langen Heimreisen schrecken uns zum Teil vor all zu euphorischen Routen ab. Aber, es sollte wieder einmal eine neue und lange Route werden – eine Rekordroute! Der Monat Mai ist wetterbedingt nicht der beste Monat, was sich dann auch noch bestätigen sollte. Aber, unsere Abenddisziplin hat sich ausbezahlt.

Tag 1 – Buchloe – Reutte
Die Route der frühen Morgenstunden. Um 04:30 war Tagwacht, kurz nach 05:00 Abfahrt mit der Bahn Richtung Buchloe; dieser Ort liegt eine Station vor München. Wie erwartet, gab es die übliche Verspätung der Bahnbetreiberin, aber wir sind gut und halbwegs im Plan angekommen. Das Umziehen auf der öffentlichen Toilette war nicht sehr angenehm und etwas kompliziert. Buchloe ist schon etwas ein Kaff, und wir wurden dann auch gefragt, wieso Schweizer hierhin Radfahren kommen. Gute Frage, aber Buchloe war nur Mittel zum Zweck, der Zubringer zu unserer geplanten, historischen Route „Via Claudia Augusta“. Nun ja, mit über 100km am ersten Tag (nur Nachmittag), war das schon einmal eine Ansage. Moser hat sein neues Velo mittlerweile prächtig eingefahren, Steigungen sind keine Gefahren mehr und sein Rad war leichter, als jenes von Steffen. Wir sind dann doch gut in Reutte angekommen , der Ort ist uns bereits bekannt aus einem früheren Ausflug (Fischen). Der „kulturelle Wert“ des Hotels überwog bei Weitem die Lage, mussten wir doch wieder etwas auswärts fahren, um dahin zu gelangen. Nachtessen in der nächstgelegenen Beiz gut und bündig. Wir haben gelernt, dass die Beizen da schon um 21:00 Uhr schliessen.

Tag 2 – Reutte – Pfunds
Die Nacht war nicht so gut, wir haben beide schlecht geschlafen. Das Morgenessen konnten wir „im“ Hotel einnehmen und zu guter, früher Zeit die strengste Etappe nach Pfunds in Angriff nehmen. Wir merken bald, es ist nicht so warm und das Wetter beginnt zu drehen. Richtung Fernpass gilt es die ersten Höhen zu bezwingen. Sehr schöne Landschaften, aber mit unserem Gepäck wird es dann irgendwann schwierig, alles zu fahren. Der Plan von Moser, dann die normale Passstrasse zum Runterfahren zu nehmen, geht nicht auf – zu viele Lastwagen, zu gefährlich. Nach dem Mittagshalt, sicher geht auch eine Medaille an einen der grusigsten Orte, geht es also runter dem Veloweg nach, mal fahrend, mal Fahrrad stossend. Die Schafwolken haben sich verzogen, die Kühe verstecken sich im Wald, es beginnt zu regnen. Die Ankunft in Pfunds ist schon einmal nass und kalt. Rasch duschen gehen und essen in der nahen Beiz. Es ist spät, wir haben Hunger. Etwas müde sind etwas ungeduldig mit der Bedienung. Fazit: Bedienung okay, Essen gut, die 2 Kollegen vom Nachbartisch reden zu viel und der eine sucht wohl immer noch sein Hörgerät.

Tag 3 – Pfunds – Meran
Wir freuten uns auf Meran, warm – erste italienische Gefühle. Aber das Wetter ist so oh la la und wir sind froh, regnet es nicht bereits schon am morgen. Heute galt es den Reschenpass zu bezwingen. Wie üblich, verfahren wir uns wieder auch einmal. Dies zum guten Glück, den der für Velos „normale“ Pass wäre total überladen gewesen mit Lastwagen, der „Lastwagen-Pass“ war für den Verkehr gesperrt und wir konnten eine fast autofreie Passfahrt geniessen. Der Start in den Pass, über teilweise nicht fahrbare, steinige Wege, war doch recht anspruchsvoll. Auf der autofreien Route konnten wir dann unsere diversen, kleine Rennfahrer-Scharmützel austragen. Endlich am obersten Punkt angelangt, galt es dem See entlang zu fahren, es windet. Zuerst Rückenwind, dann dreht das Ganze. Zum Glück geht es nun steil runter, Richtung Meran. Ein wunderbares Zimmer erwartet uns. Wir sind froh darüber, denn das Wetter war teilweise auch nicht so gut. Was gibt es Schöneres als ein sauberes Bett, eine warme Dusche und anschliessend feines Essen? Das Esslokal war eher der spezielleren Art, aber wir wollen uns nicht beklagen.

Tag 4 – Meran – Trient

Der Blick an den Himmel lässt nichts Gutes erahnen. Die Strassen sind nass, es schiffet schon einmal. Aber wir geben alles und gehen noch Veloschuh-Überzüge kaufen, falls diese nichts nützen sollten, hilft es hoffentlich für die Moral. 1 Minute vor Abfahrt sucht Steffen noch einmal seine Handschuhe. Weg, also nochmals in den Laden rein und neue Handschuhe kaufen. Wir fahren, es regnet und es wird kälter. Wir schleppen uns auf der Höhe Bozen den kleinen Pass rauf, retten uns in eine Bäckerei mit Kaffe-Ecke. Die Bedienung bringt uns dort auch etwas aus der Ruhe, wir essen und überlegen. Mit viel Überwindung wieder raus auf das Velo. Wir sind nass, es ist noch kälter geworden. Dann der harte, aber vernünftige Entscheid; wir nehmen die Bahn von Neumarkt bis Trient. Wunderbare 50km folgen und wir haben wieder Energie um das Zimmer zu suchen. Die Adresse stimmt, aber es ist niemand da. Dann andere Adresse, dann wieder retour an die erste Adresse. Okay, hätte besser laufen können. Zimmer gut, aber die Laune war auch schon besser. Wir gehen früh Essen und dann schlafen, es war eine kürzere, aber sehr harte Etappe. Die Füsslinge hielten leider nicht dicht…

Tag 5 – Trient – Verona

Frisch gewärmt geht es Richtung Verona, bei Mori rauf, dann dem Gardasee entlang. Was für die Windkünstler eine Freude ist, ist unser Schmerz. Es windet. Wir haben Glück, können über 30km einem Rennvelofahrer – Paar anhängen und so Kräfte und Moral schonen. Den Rest erledigen wir souverän, hatte es doch aber auch diese Schlussetappe in sich, knappe 120km. Verona wunderbare Stadt, schöne Gebäude, gutes Essen und sonst auch schöne Dinge.
Diese Velotour geht nun als absolute Leistungsstärkste Tour in unsere Tour-Geschichte ein. Wir sind Stolz und wurden auch in unserer verbesserten Taktik und Material bestätigt. Lieber einmal zeitig ins Bett und früher aufstehen, das hilft schon enorm. Hätte der Donnerstag uns nicht ein Schnippchen geschlagen, das wäre „die“ Tour geworden.

Fotos

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Tag 3

Tag 4

Tag 5

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